Wahre Geschichten und Bilder

Die Fotofachfrau?

Ach ich mach ja so gerne Fotos. Mit meiner alten, das war so ne Knack und Back, also so guck und zack. Seeehr bedienungsfreundlich! Da brauchte man nicht stundenlang ´n dickes Handbuch wälzen. Da ging ich einfach zu Karstadt, haute das Ding aufn Tresen, die fähige Tante dort nahm was raus, tat was anderes rein und schon konnte ich wieder knipsen. So`n schöner Würfel gehörte auch dazu. War hübsch das Teil, durchsichtig und niedliche kleine Birnen drin. Manchmal friemelte ich ihn drauf, meistens vergaß ich das.
Gut, manche Bilder waren etwas dunkel, aber ich bin ja nicht nachtblind.

Einmal machte ich ein ganz ausgefallenes Bild. Heute könnte ich sowas sicher als Kunst verkaufen? Beim Abholen der Bilder fragte ich die Verkäuferin, wo sie meine Tochter gelassen hätte. Sie hatte sie nicht. Na ja, das sagte sie. Komisch war nur, meine Tochter war weg, dafür waren meine Backen da. Also die Wangen. Sie wollte mir dann noch weismachen, ich hätte sie falsch rum gehalten. Wen? Die Tochter? Nee, die Kamera! Die hielt sich ja wohl für ganz schlau?!

Irgendwann hatte ich sie nieder. Die Kamera. War dann ´ne Weile ohne. War ´ne schlimme Zeit, wo ich doch so gerne knipste.

Später schmuggelte sich Stefan in mein Leben. Als erstes gewöhnte ich mir das Wort knipsen ab. Man fotografiert nämlich! Nee, is klar.

Tja, nun sollte ich also eine Neue bekommen. Au ja. Toll, er wollte mir so´n komisches Teil andrehen. Ich glaube die heißen Tickitalkameras. Oder so ähnlich. Er hatte dieses Teil. Hab ich mir angeguckt und natürlich sofort abgelehnt. Nee, was soll ich mit so kleinen Bildern? Da brauch ich ja jedesmal ne Lupe. Nix da, nicht mit mir. Ein Vorteil war ja, man konnte die Bilder gleich angucken. Aber, also das war mir doch zu klein. Dann will ich lieber ´ne Richtige. Die kriegte ich dann auch. Ein schönes Teil. Film war schon drin, das hab ich aber vorsichthalber nochmal nachgeprüft! Hat er Gott sei Dank nicht gesehen. Am anderen Morgen nahm ich den Film erstmal raus. Stefan wollte mir nämlich klarmachen ich könnte damit 36 Bilder machen. Völliger Blödsinn, aber das konnte er ja nicht wissen. Da bin ich ja nun doch etwas schlauer. Wenn die Bilder 13 breit und 9 hoch sein sollen, müsste der Film ja 4.68 Meter lang sein. Das passt nie im Leben in diesen kleinen Kasten.

Als er nach Hause kam hatte ich den Film der Länge nach auf dem Stubentisch liegen. Nun konnte er sich selbst überzeugen. Warum er dann doch nicht nachgemessen hat, hat er mir bis heute nicht erzählt. War wohl kaputt von der Arbeit oder hatte keine Lust dazu?

Allerdings gab er mir gleich Recht. Das ich für die 36 Bilder den Film nicht gebrauchen konnte. Ach ja, er sagte auch noch ich hätte tolle Ideen und dass es mit mir bestimmt lustig werden würde. Ich darf auch wieder knipsen sagen. Dafür misst er jetzt immer die Filme vorher ab, (hat er mir versprochen) packt sie rein und ich brauch nur noch loslegen.

© by Christa Hänschen, 2007

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