Wahre Geschichten und Bilder

Else

So ´n Müllcontainer hat außer stinken auch mal Besonderes zu bieten...?

Es regnete, der Müll musste raus. Ein bisschen wartete ich noch. Vielleicht hörte es ja bald auf? Viel Hoffnung hatte ich eigentlich nicht. Es sah eher so aus als wenn ich bis dahin noch 3 Tüten voll kriegen würde.

Also raffte ich mich auf, mit meiner Frisur war sowieso nicht viel los, schnappte den Beutel und vollbrachte meine Pflicht. Deckel auf, Tüte rein, Deckel zu! Irgendwas machte Geräusche. Deckel wieder auf, reingeguckt, stank ekelig, aber Geräusche? Nee. Deckel zu und weg. Halt, da war wohl was. Also rum gesucht. Außer Laub, noch mehr Dreck und ein paar Spinnweben, war da nix. Doch, da ganz an der Steinkante, da hockte was. So ´n dunkler Fleck. Igitt ich mag keine Spinnweben und den Inhalt schon gar nicht! Aber machen die Töne? Als mir klar wurde, dass es sich nicht um meine Feinde handeln konnte, ich betrachte die 8-beiner als meine Feinde, griff ich mutig in die Ecke. Resultat, ich hatte ein furchtbar hässliches, zappelndes Teil in der Hand. Große Füße, riesigen Schnabel, nackig bis auf ein paar harte gelbe Fusseln am kleinen Körper. Und fauchen konnte das Ding auch! Aber wie!!! Und nun? Liegen lassen, nicht drum kümmern? Nee, das ging ja nicht, also nahm ich´s mit nach oben.

Schale raus, (so eine für Füße einweichen) bisschen auspolstern, erstmal rein setzen und genauer angucken. Das brachte aber nix oder doch, es war irgendwas Vogeliges.

Da hol ich doch erstmal meine Nachbarin. Die is viel im Wald unterwegs und kennt sich aus. Denkste, beim ersten Fauchen ging sie gleich 3 Schritte zurück, meinte ich solle das bloß wieder wegbringen is bestimmt krank! Was es evtl. werden könnte, wenns denn mal fertig war, wusste sie auch nicht. Und weg war sie. Mir war mittlerweile auch ziemlich egal was es eigentlich war. Mich beschäftigte viel mehr, das Tierchen war nass, kalt, und sicher hatte es Hunger. Tierarzt war natürlich nicht mehr zu erreichen. Erst morgen wieder. Also ab ins Handtuch damit, vorsichtig trocken tupfen und anschließend in den Händen wärmen. Brachte was, es hörte zumindest auf zu zittern und fauchte mich auch nicht mehr an. Nun wieder ab in die Schale, Rotlicht raus, gut ausrichten es sollte ja nicht gebraten werden, und ein Ei kochen. Mit der Fütterung verbrachte ich dann die Nacht. Hierbei war mein Mann sehr hilfreich. Immer wenn er kam wurde gefaucht. Hieß aber auch, der Schnabel ging auf. Flupp ein Stückchen Ei rein.

Morgens schickte ich meine Tochter mit dem Teil zum Tierarzt. Das Wartezimmer stand Kopf. Keiner hatte etwas derart hässliches schon mal gesehen. Ich fand es schon gar nicht mehr so hässlich! Nach eingehender Untersuchung, auch auf Ungeziefer, drückte er ihr sein Telefon in die Hand mit der Bitte, frag Deine Mutter ob sie bereit ist dieses Tier aufzuziehen. Ferner wird es sich nicht auswildern lassen heißt, auf EWIG behalten. (ca. 12 Jahre!!) Ihre Frage, wenn nicht was dann, seine Antwort, muss leider dann ne Spritze geben, erledigte den Rest.

Der Anruf war nur noch ´ne Formsache und als sie mir auch noch sagte was es nun eigentlich wird, oder ist, hörte ich zwar noch... ´ne Ringeltaube, aber dann sank ich aufs Sofa. Der Traum jeder Hausfrau und Mutter, ne Taube IN DER WOHNUNG!!!

Als die beiden nach Hause kamen, hatte ich schon nen Namen für den kleinen Wurm.

ELSE.

© by Christa Hänschen, 1990

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